England
Die Philosophie des 17. Jahrhunderts
Herausgegeben von Laurent Cesalli, Gerald Hartung
Bd. 3/1-2 Jean-Pierre Schobinger (Hg.)

England

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Der Band beginnt mit einem Überblick über die von den Historikern im allgemeinen zuwenig beachtete Schulphilosophie, die sich zum einen als Hüterin der aristotelisch-scholastischen Tradition erweist, zum anderen aber ein Indikator für das Ausmass der zeitgenössischen Rezeption innovatorischen Denkens ist (Kap. 1). Ein weiteres Moment des philosophischen Selbstverständnisses Englands im 17. Jahrhundert sind die religiös motivierten Debatten, in denen - cum grano salis - der Anglikanismus die Seite der Vernunft, der römische Katholizismus die des "richtigen" Glaubens und der Puritanismus die des Enthusiasmus repräsentiert (Kap. 2). Zu den bekanntesten Philosophen der Epoche gehört Thomas Hobbes; neben seiner politischen Theorie werden auch seine Beiträge zur Erkenntnislehre und Logik sowie seine mathematischen und naturwissenschaftlichen Arbeiten behandelt (Kap. 3). Kennzeichnend für das englische Denken des 17. Jahrhunderts sind ferner die Renaissance des Platonismus (Kap. 4) und die relativ beschränkte unmittelbare Nachwirkung der cartesischen Philosophie (Kap. 5). Ein weiteres Phänomen sind die Bemühungen um die Entwicklung einer Universalsprache (Kap. 6). In der Nachfolge Bacons entsteht in England ein starkes Interesse an naturphilosophischen Fragestellungen. Die neue Wissenschaft ist dem mechanistischen Weltverständnis und dem Experiment verpflichtet; einen Höhepunkt erreicht sie in der Physik Isaac Newtons (Kap. 7). Ein weiteres Kapitel ist der politischen Philosophie gewidmet, die im frühen 17. Jahrhundert von der Lehre des "Divine Right" der Könige und vom Rechtsdenken des "Common Law" geprägt ist. Im Bürgerkrieg werden diese Konzeptionen vom radikalen Protestantismus und später vom Republikanismus in Frage gestellt, wodurch sich der Patriarchalismus zu einer kompromisslosen Verteidigung der absoluten Monarchie herausgefordert sieht (Kap. 8). Ein wichtiger Gegner des Patriarchalismus und der wohl bekannteste englische Philosoph des späten 17. Jahrhunderts ist John Locke. Auf über 100 Seiten werden seine, naturrechtlichen und staatsphilosophischen, religionspolitischen, erkenntnistheoretischen, pädagogischen, finanz- und wirtschaftspolitischen sowie medizinischen Lehren dargestellt, anschliessend seine Anhänger und Gegner sowie die durch ihn ausgelöste Debatte über die Seele behandelt (Kap. 9).

Inhalt

Erster Halbband

Erstes Kapitel: Die Schulphilosophie
§1. Die philosophischen Lehrstätten. (E. Jennifer Ashworth, G. A. John Rogers, Christine M. Shepherd, Edmund J. Furlong †, Elizabeth F. Flower)

Zweites Kapitel: Glaube, Vernunft, Erleuchtung
§2. Der Kreis von Tew (Dominic Baker-Smith). - §3. Jeremy Taylor (Sarah Hutton). - §4 Der Puritanismus (Louis A. Knafla). - §5. Die Böhme-Rezeption (Michael Halls)

Drittes Kapitel: Hobbes und sein Umkreis
§6. Thomas Hobbes (Eduard Georg Jacoby†, Jean Bernhardt, François Tricaud). - §7. Freunde und Bekannte von Hobbes (François Tricaud). - §8. Der Kreis von Welbeck (Harold W. Jones)

Viertes Kapitel: Der Platonismus
§9. Die Oxforder Platoniker (Judith Maizel, Sarah Hutton). - §10. Herbert von Cherbury (David A. Pailin). - §11. Die Cambridger Platoniker (G. A. John Rogers)

Fünftes Kapitel: Der Cartesianismus (Arrigo Pacchi)
§12. Die Rezeption der cartesischen Philosophie. - §13. Ein Anhänger und ein Gegner der cartesischen Philosophie

Sechstes Kapitel: Sprachtheorie
§14. Projekte zur Schaffung einer «characteristica» und «lingua universalis» (Brigitte Asbach-Schnitker, Hans Jürgen Höller)

 

Zweiter Halbband

Siebtes Kapitel: Naturphilosophie, Aufbruch der Wissenschaft, Newton
§15. Ein Vorläufer der neuen Wissenschaft: Thomas Browne (Robin Robbins). - §16. Der Aristotelismus und die neue Wissenschaft (John Henry, Charles B. Schmitt †, Harold W. Jones). - §17. Die Rezeption der atomistischen Philosophie (John Henry). - §18. Die Royal Society: Organisation der neuen Wissenschaft (Michael Hunter, Paul B. Wood). - §19. Die wichtigsten Vertreter der Royal Society (Paul B. Wood, M. Alexander Stewart). - §20. Ein Apologet der Royal Society: Joseph Glanvill (Bernard Fabian). - §21. Die Opposition gegen die Royal Society (Michael R. G. Spiller, James R. Jacob). - §22. Isaac Newton (Paolo Casini)

Achtes Kapitel: Politische Philosophie
§23. Absolutistisches Staatsdenken: Das «Divine Right» der Könige (Arthur H. Williamson). - §24. Die Theorie des «Common Law» (Louis A. Knafla). - §25. Der protestantische Radikalismus während des Interregnums (Louis A. Knafla). - §26. John Milton (Jürgen Gebhardt). - §27. Partiarchalismus und klassischer Republikanismus (James More). - §28. Empirisches politisches Denken (J. A. W. Gunn)

Neuntes Kapitel: Locke und die Auseinandersetzungen über sein Denken
§29. John Locke (Reinhard Brandt). - §30. Anhänger und Gegner von Locke (Reinhard Brandt). - §31. Die Debatte über die Seele (David Berman)  

Bevorstehende Veranstaltungen

Bibliographische Angaben

Reihe Titel der Reihe - Die Philosophie des 17. Jahrhunderts
Seitenanzahl 874 arabisch, 34 römisch
Bindung Buch, Leinen mit Schutzumschlag
ISBN 978-3-7965-0872-1
Erscheinungsdatum: 01.01.1988

Autor/in

Jean-Pierre Schobinger (1927-2001) studierte Philosophie an der Universität Zürich, wo er 1985 promoviert wurde. Ab 1967 war er ausserordentlicher, ab 1976 ordentlicher Professor für Philosophie an der Universität Zürich.