Psychiatrie im 19. Jahrhundert. Forschungen zur Geschichte von psychiatrischen Institutionen, Debatt
Medizinische Forschung
Herausgegeben von Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz, Ernst Mutschler, Paul Schölmerich u.a.
Bd. 13 Eric Engstrom, Volker Roelcke (Hg.)

Psychiatrie im 19. Jahrhundert. Forschungen zur Geschichte von psychiatrischen Institutionen, Debatt

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Band 13

Für die historische Entwicklung der Psychiatrie stellt das 19. Jahrhundert eine entscheidende Epoche dar. In dieses Jahrhundert fallen Prozesse und Ereignisse, die bis heute die Struktur und Ausrichtung des Faches massgeblich prägen: So ist die Entstehung der Psychiatrie als wissenschaftliche Disziplin und therapeutische Praxis mit der Tätigkeit von namhaften Psychiatern dieses Jahrhunderts, wie Reil, Heinroth, Jacobi, Griesinger oder Kraepelin, verbunden. Ebenso ist die feste Institutionalisierung des Fachs in staatlichen und privaten Versorgungseinrichtungen durch konkrete soziale, wirtschaftliche und politische Ereignisse des 19. Jahrhunderts massgeblich geprägt. Weiter steht das 19. Jahrhundert für die «Medikalisierung» des Faches und für seine Abgrenzung sowohl gegenüber anderen medizinischen Fachrichtungen als auch gegenüber der Theologie und der Jurisprudenz. Schliesslich ist die Etablierung der Psychiatrie als universitäres Fach - mit der Einrichtung von Universitätskliniken und ordentlichen Professuren - eine Entwicklung, die ihre Wurzeln und Bedingungsfaktoren ganz wesentlich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts im deutschsprachigen Raum hat.

Überblickt man den heutigen Stand der Psychiatrie in Deutschland, aber auch international, so wird deutlich, wie sehr das Fach von diesen historischen Vermächtnissen geprägt worden ist. Auch wenn das 20. Jahrhundert mit zum Teil fatalen und einschneidenden Ereignissen und Entwicklungen verbunden war, weisen die vorangegangenen Weichenstellungen doch auf eine überraschende Aktualität des 19. Jahrhunderts für die Psychiatrie des 21. Jahrhunderts hin.

Aus dem Inhalt:

Eric J. Engstrom und Volker Roelcke, Die ‚alte Psychiatrie‘? Zur Geschichte und Aktualität der Psychiatrie im 19. Jahrhundert

Michael Kutzer, „Psychiker“ als „Somatiker“ – „Somatiker“ als „Psychiker“: Zur Frage der Gültigkeit psychiatriehistorischer Kategorien

Alexandra Chmielewski, Reformprojekt ohne Zukunft: Die Heilanstalt und psychiatrische Klinik in Heidelberg (1826-1835)

David Lederer, Die Geburt eines Irrenhauses: Die königlich-bayerische Irrenanstalt zu Giesing/München

Kai Sammet, Ökonomie, Wissenschaft und Humanität – Wilhelm Griesinger und das non restraint-System

Eric J. Engstrom, Assembling Professional Selves: On Psychiatric Instruction in Imperial Germany

Harry Oosterhuis, Extending the Boundaries of Psychiatry. The Professional Strategies of Richard von Krafft-Ebing

Volker Roelcke, Unterwegs zur Psychiatrie als Wissenschaft: Das Projekt einer „Irrenstatistik” und Emil Kraepelins Neuformulierung der psychiatrischen Klassifikation

Ann Goldberg, A Reinvented Public: „Lunatics‘ Rights“ and Bourgeois Populism in the Kaiserreich

Urs Germann, „Entmündigung der Fachjustiz” oder “Reserveengel der Jurisprudenz”? Psychiatrische Deutungsmacht im Kontext justizieller Entscheidungsprozesse. Das Beispiel der gerichts-psychiatrischen Begutachtungspraxis im Kanton Bern 1885-1920

Martin Lengwiler, Auf dem Weg zur Sozialtechnologie: Die Bedeutung der frühen Militärpsychiatrie für die Professionalisierung der Psychiatrie in Deutschland

Heinz-Peter Schmiedebach und Stefan Priebe, Open Psychiatric Care and Social Psychiatry in 19th and Early 20th Century   

Bevorstehende Veranstaltungen

Bibliographische Angaben

Reihe Titel der Reihe - Medizinische Forschung
Seitenanzahl 294 arabisch
Format: 17 x 24 cm
Bindung Buch, Broschiert
ISBN 978-3-7965-1933-8
Erscheinungsdatum: 11.12.2003

Autor/in

Die Herausgeber:

Eric J. Engstrom studierte Geschichte, Mathematik, Wissenschaftsgeschichte und Renaissance Philosophie in Portland, Oregon (USA), München und Chapel Hill, North Carolina (USA). Im Jahr 1997 wurde er promoviert und war anschließend Fulbright-Hays Fellow in München sowie Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Wissenschaftsgeschichte der Universität München. Seit 2008 ist er an der Universität Berlin als Wissenschaftlicher Mitarbeiter tätig.

Volker Roelcke studierte Medizin in Heidelberg und Glasgow, sowie Ethnologie, Alte Geschichte und Philosophie in Heidelberg und Cambridge. Seit 2003 ist er Professor für Geschichte der Medizin an der Universität Gießen.