Gurs - ein Internierungslager

Gurs - ein Internierungslager

Südfrankreich 1939 - 1943. Aquarelle, Zeichnungen, Fotografien. Sammlung Elsbeth Kasser

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Ein berührendes Dokument europäischer Geschichte, dem wir uns alle zu stellen haben.

«Schweizer Schwester, sagen Sie es in Ihrer Heimat, sagen Sie es der ganzen Welt, was hier geschieht!» Der Appell eines Deportierten ist in Elsbeth Kassers Erinnerung nie verstummt. In den Jahren 1939 bis 1945 wurden im französischen Lager Gurs an die 60 000 Menschen interniert: zunächst Soldaten der im Spanischen Bürgerkrieg geschlagenen republikanischen Armee, dann in Frankreich «unerwünschte» Frauen und Kinder sowie «Politische» und schliesslich, in der Zeit des staatlich geschürten Antisemitismus, jüdische Männer, Frauen und Kinder. Zuletzt waren es Sinti und Roma, die als Unerwünschte inhaftiert waren, bevor das Lager Gurs nach Kriegsende geschlossen wurde. Für alle war das Lager eine Hölle, in der täglich Menschen starben – zeitweise Dutzende. Ab August 1942 wurden die 3907 jüdischen Internierten, die bis dahin überlebt hatten, nach Auschwitz deportiert – und damit in den gewaltsamen Tod.

Elsbeth Kasser, die Rotkreuzschwester aus der Schweiz, erlebte die Deportationen und Grausamkeiten Tag für Tag mit. Das prägte ihr weiteres Leben. Ohnmacht und Scham angesichts des Geschehenen liessen Elsbeth Kasser jahrzehntelang schweigen.

Der Lageralltag in Gurs war ein gleichzeitiges Nebeneinander vieler Wirklichkeiten, die gegensätzlicher nicht sein können. Zeugnisse künstlerischen Tuns im Lager sind die Bilder aus Gurs. Knapp 200 Zeichnungen und Aquarelle konnte Elsbeth Kasser in die Schweiz retten. In einer Schachtel unter ihrem Bett bewahrte sie die Sammlung auf – fast ein halbes Jahrhundert lang. Erst Ende der 1980er Jahre war es Elsbeth Kasser möglich, Freunden diese Dokumente zu zeigen. Es brauchte noch viele Schritte aus der Verschlossenheit, bis sie bereit war, die Bilder aus Gurs der Öffentlichkeit zur Kenntnis zu bringen.

Im vorliegenden Katalog sind die Werke aus der Sammlung Kasser in Originalgrösse abgebildet, so dass sie ihre Wirkung unmittelbar entfalten. Grosse, ausdrucksstarke Zeichnungen finden sich ebenso darunter wie filigrane Skizzen auf Papierresten; es gibt Porträts, Landschaften, Glückwunschkarten, aber auch Zeichnungen mit Bildlegenden, die teilweise sogar auf humorvolle Weise Einblick in den Lageralltag geben.

Vier Textbeiträge und ein ausführliches Werkverzeichnis in deutscher, französischer und englischer Sprache vervollständigen den Katalog dieser aussergewöhnlichen Sammlung, die sich heute im Archiv für Zeitgeschichte der ETH Zürich befindet (einsehbar unter www.elsbeth-kasser.ch). Die Buchgestaltung von Franca Moor orientiert sich an der Geschichte der Sammlung: Der übliche feste Einband wird durch eine Schachtel aus Graukarton ersetzt, die daran erinnert, wie Elsbeth Kasser die ihr anvertrauten Zeichnungen, Aquarelle und Dokumente aufbewahrt hat.

  

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Bibliographische Angaben

Seitenanzahl 167 arabisch
Abbildungen 14 s/w, 84 farbig
Format: 23 x 35 cm
Bindung Buch
ISBN 978-3-7965-2573-5
Erscheinungsdatum: 23.01.2009

Autor/in

Der Herausgeber:

Die Elsbeth Kasser-Stiftung wurde 1994, zwei Jahre nach dem Ableben von Elsbeth Kasser, gegründet. Elsbeth Kasser hat ihre Sammlung testamentarisch der zu gründenden Stiftung vermacht. Als Zweck der Stiftung bestimmte sie, dass die Sammlung Elsbeth Kasser in ihrer Gesamtheit zu erhalten und durch Ausstellungen der Öffentlichkeit zugänglich zu machen sei. Ihren rechtlichen Sitz hat die Schweizerische Stiftung im Katon Bern. Präsident des Stiftungsrats ist Dr. Walter Schmid.