Spielräume und Grenzen der Interpretation
TeNOR · Text und Normativität
Herausgegeben von Wolfgang W. Müller, Franc Wagner
Bd. Michele Luminati, Wolfgang W. Müller, Enno Rudolph u.a. (Hg.)

Spielräume und Grenzen der Interpretation

Philosophie, Theologie und Rechtswissenschaft im Gespräch

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"Der Buchstabe tötet, der Geist tötet auch." Carlo Ginzburg

Kulturen definieren sich über Texte, und sie definieren sich über Normen. In der Verschränkung beider Elemente – Text und Normativität – zeigen sich kulturformative Prozesse, die strukturell und historisch analysiert werden können: als Textualisierung von Normen, als Normativierung von Texten und als regulativer, normierter Umgang mit Texten. Dieser Umgang wird als Interpretation bezeichnet: Etwas Unbekanntes wird mit einem Bekannten verdolmetscht und ermöglicht es auf diese Weise, Texte zu verstehen. Jedes Textverständnis ist mithin interpretatorisch, jede Interpretation aber auch – pointiert gesagt – häretisch. Denn der Sinn des Texts bestimmt sich immer nach den Regeln, die seine Auslegung lenken. Transdisziplinäre Vergleiche von Interpretationsregeln und die Auseinandersetzung mit Fragen der Auslegung über akademische Fachgrenzen hinweg standen im Mittelpunkt einer Tagung, die 2009 an der Universität Luzern stattfand und deren Beiträge im vorliegenden Tagungsband versammelt sind.

Beiträge

Jan Assmann: Einleitung: Der Raum der Schrift

Carlo Ginzburg: Der Buchstabe tötet. Einige Schlussfolgerungen aus 2 Korinther 3,6

Andreas Mauz: Textgenese und Normativität. Zur Interpretation heiligender Schreibszenen (Buch Mormon, Jer 36)

Pierre Bühler: Norma normans – norma normata. Zum Umgang mit der Normativität in der Auslegung der Heiligen Schrift

Peter Hofmann: Die Bibel als Erste Theologie, der Kanon als Norm? Zur systematisch-theologischen Bedeutung einer intertextuellen Schriftlektüre

Inge Kroppenberg: Ut interpretatio desideraret prudentium auctoritatem. Zur interpretatio der republikanischen Juristen Roms

Paolo Becchi: «Interpretation» im antiken, mittelalterlichen und modernen Sprachgebrauch. Ein Überblick

Riccardo Guastini: Kognitivismus und Skeptizismus in der Theorie der Interpretation

Emil Angehrn: Der Text als Norm der Interpretation?

Thomas Steinfeld: Die Enden der Parabel. Über das Wort als Norm und den Satz als unterschätzte Größe der Interpretation

Franc Wagner: Text im Kontext. Sprachliche Indikatoren des Kontextbezugs    

Bevorstehende Veranstaltungen

Bibliographische Angaben

Reihe TeNOR · Text und Normativität
Seitenanzahl 231 arabisch
Zeichnungen 1
Format 16 x 22.5 cm
Bindung Buch, Gebunden
ISBN 978-3-7965-2673-2
Erscheinungsdatum 20.10.2010

Autor/in

Michele Luminati, geb. 1960, ist seit 2004 ordentlicher Professor für Rechtsgeschichte, Juristische Zeitgeschichte und Rechtstheorie an der Universität Luzern. Des Weiteren ist er geschäftsführender Direktor des lucernaiuris, des Instituts für juristische Grundlagen in Luzern.

Wolfgang W. Müller, geb. 1956, ist Professor für Dogmatik an der Theologischen Fakultät der Universität Luzern und Leiter des dortigen Ökumenischen Instituts.

Enno Rudolph, geb. 1945, ist seit 2000 ordentlicher Professor für Philosophie an der Universität Luzern.

Nikolaus Linder, geb. 1968, ist seit 2008 wissenschaftlicher Mitarbeiter im interfakultären Forschungsschwerpunkt TeNor – Text und Normativität der Universität Luzern.