Schweizer Kleinmeister, Petits maîtres suisses
«Als regne es hier nie ...»
Herausgegeben von Susanne Bieri, Graphische Sammlung Schweizerische Landesbibliothek
Bd. 1 Ulrich Schenk

Schweizer Kleinmeister, Petits maîtres suisses

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Betrachtungen von Schweizer Kleinmeister-Werken münden meist in leicht ironische Feststellungen, was die vorgeführte Idylle und die paradiesisch anmutende Landschaft betrifft : Sie werden als Material aufgefasst, die inventionslos nach einem vorgegebenen Schema akribisch genaue Aufnahmen zum Bild eines Landes zusammenfügt, in dem stets die Sonne lacht!

1995 überreichte die Stiftung Graphica Helvetica der Graphischen Sammlung der Schweizerischen Landesbibliothek als Schenkung eine Mappe mit Aquarellen, die aus Genfer Privatbesitz erworben worden war. Unter dem Titel «De Bâle aux sources du Rhin» vereinigt das Mappenwerk 22 Ansichten von Rhein-Landschaften.

Der Titel «Als regne es hier nie...» ist einem fiktiven Diskurs im Taschen-Almanach von 1822 entnommen. Dieser publizierte ein Negativ-Urteil über die Schweizer Kleinmeister.

Der vorliegende erste Band der Schweizer Kleinmeister behandelt die gesellschaftlichen, weltanschaulichen und künstlerischen Voraussetzungen, welche die Entstehung der charakteristischen Kleinmeisterkunst begünstigten. Er zeichnet nach, wie literarische Werke - in denen die urtümliche, kraftvolle Natur der Alpen gefeiert und das unverdorbene Dasein ihrer Bewohner im Einklang mit der Natur gepriesen wird - mitverantwortlich waren für die ab der Mitte des 18. Jahrhunderts aufkeimende Alpenbegeisterung. Die begüterten und belesenen Gesellschaftskreise in den Städten und an den Höfen Europas wählten die Alpen zum attraktiven Reiseziel; parallel dazu wuchs das Interesse an Souvenirbildern, die im Reisegepäck transportiert werden konnten. Auf diese Nachfrage reagierten verschiedene Schweizer Künstler, die Kleinmeister, mit einer Vielzahl von Werken in unterschiedlichster Form und Aufmachung.

Im Weiteren wird die Einbindung der schweizerischen Landschaftsdarstellung um 1800 in die Traditionen der Europäischen Landschaftsmalerei untersucht, sowohl in stilistischer und kompositorischer Hinsicht als auch bezüglich der Wirkung auf die Betrachtenden. Die Landschaft breitet sich betont ruhig vor dem Auge des Betrachters aus und wird meist auf einer oder auf beiden Seiten durch Architektur- oder Naturelemente abgerundet und eingegrenzt, wodurch die Bildkomposition eine ausgewogene Rahmung erhält. Im Vordergrund spielen sich romantisierende Genreszenen ab. Landschaftskompositionen der beschriebenen Art sind typisch für das Schaffen der Schweizer Kleinmeister im Zeitraum zwischen 1750 und 1850.

Weitere Schwerpunkte der Studie bilden die Rekonstruktion der Entstehungsgeschichte und das Schicksal des Mappenwerks mit der 22-teiligen Aquarellfolge «De Bâle aux sources du Rhin» im Zusammenhang mit Bildserien, die verschiedene Reiseziele zu so genannten «Voyages pittoresques» zusammenfassen. Daneben finden sich Informationen über Auftraggeber der Bilder-Folge und die daran beteiligten Künstler.
Das abschliessende Inventar der Aquarelle des Mappenwerks «De Bâle aux sources du Rhin» und die vollständige Wiedergabe ermöglicht es, die «Reise» anhand der Reproduktionen Schritt für Schritt nachzuvollziehen.   

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Bibliographische Angaben

Seitenanzahl 220 arabisch
Abbildungen 26 s/w, 22 farbig
Masse: 18 x 23 cm
Bindung Buch, Broschiert
ISBN 978-3-7965-2031-0
Erscheinungsdatum: 01.09.2003

Autor/in

Ulrich Schenk, geb. 1965, studierte Kunstgeschichte, Architekturgeschichte und Soziologie an der Universität Bern mit Schwerpunkt Kunstgeschichte der Neuzeit und Moderne. 1999 bis 2000 war er wissenschaftlicher Assistent am Institut für Kunstgeschichte in Bern im Projekt «EDV-unterstützte Forschung und Lehre in der Kunstgeschichte». Seit 1999 ist er Konservator am Museum für Kommunikation in Bern.