«Als regne es hier nie ...»

«Als regne es hier nie ...»

«Die Schweiz ist allerdings ein lachendes Paradies, ein wahres Idyllenland an den Ufern der Seen und Flüsse, zumal bey schönem Wetter. Man möchte leicht den Schluss ziehen, als regne es hier nie.» So das Fazit des fiktiven «Kunstgesprächs in der Alphütte», das der Schweizer Schriftsteller und Kunstkritiker David Hess 1822 als Negativurteil über die Schweizer Kleinmeisterkunst veröffentlichte.

«Als regne es hier nie» dient als Titel und Leitmotiv der fünfteiligen Publikation, die der Wahrnehmung und Wiedergabe von Landschaft und der Entwicklungsgeschichte ihrer «Verwertung» in Ansichten der letzten beiden Jahrhunderte in den Medien Schweizer Kleinmeistermalerei, Fotografie, Ansichtskarte und Plakat gewidmet ist. Das Zitat ist ein treffender Kommentar der genannten Bildproduktion des 19. und des frühen 20. Jahrhunderts und fasst zugleich die leise Skepsis der dargestellten Idylle gegenüber in Worte.

Auf den ersten Blick haben wir es mit gefälligen, spannungslosen Landschafskompositionen zu tun. Die vorgefundene Idealisierung lässt sich weiterverfolgen in Fotografien und Ansichtskarten bis hin zu den Propagandabildern der Plakatgestalter des ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts. Die Auseinandersetzung mit dieser, etwas pointiert ausgedrückt, Schematisierung und dem unglaubwürdigen steten Sonnenschein in all diesen Bildern fragt immer auch nach zeitgenössischer Sehweise, Gebrauchskontext und wirtschaftlicher Bedeutung.