Zab-zub, Zach-Zuch, Zacht- zucht
Schweizerisches Idiotikon (Fasc.)
Herausgegeben von Schweizerdeutsch. Wörterbuch
Heft 223, Band XVII

Zab-zub, Zach-Zuch, Zacht- zucht

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Das Schweizerdeutsche Wörterbuch 

Heft 223 enthält Wörter mit den Lautstrukturen zab bis zub, zach(t) bis zuch(t). Im ersten Teil des Hefts finden sich die beiden markanten Wortsippen Zuube (f.) ?Rinne, (Wasser-)Strahl’, ein ausschliesslich alemannisches, vermutlich aus dem Lateinischen stammendes Lehnwort, das in vielen Orts- und Flurnamen aufscheint, und Zuber (m.) für Gefässe in grosser Formenvielfalt und aus verschiedenem Material; die unterschiedlichsten Verwendungszwecke vom Wassergefäss über das Brüh- und Melkgefäss bis zum Fäkalienbehälter und dem Pflanzenkübel lassen sich dokumentieren, und besonders viele Spuren hat das Wort im Bereich des Weinbaus hinterlassen, was sich auch in zahlreichen entsprechenden Zusammensetzungen wie Oomzuber, Vorlaufzuber, Trätt- und Wiizuber spiegelt.

Neben dem Personennamen Zacharias, der in vielen mundartlichen Varianten wie Zacharis, Sachreis, Zachis, Zächi, Chris, Risel, Z?si, Zächeli belegt ist, wird auch das interessante Wort Zäch ?Zecke’ behandelt, das bereits im Althochdeutschen die Varianten zëhho, zëcko besitzt, die sich bis heute als Zäch(e), Zäck(e), Zägg(e) fortsetzen. Die kleinen Tiere wurden immer als lästige Parasiten wahrgenommen, die auch die Haustiere geplagt haben. Es erstaunt daher nicht, dass das Wort auch zur negativen Charakterisierung von unangenehm aufsässigen oder anhänglichen Personen verwendet wird. Kulturhistorisch interessant ist das gleichlautende, aber mit vorigem nicht verwandte Wort Zäch, neuhochdeutsch Zeche, mit der Bedeutung ?Trinkgelage in einem Wirtshaus’. Die historischen Belege zeigen, wie immer wieder versucht wurde, ausgelassenes Feiern einzudämmen.

Das einfache Wort Zeiche hat ein sehr grosses Bedeutungsspektrum, das vom einfachen, relativ abstrakten ?Hinweiszeichen’, über das ?Tierkreiszeichen’, das ?Glockengeläut’, den ?Gutschein’ zum ?kleinen Heiligenbild’ reicht, darunter aber auch so sonderbare Bedeutungen wie ?Zeigefinger’ oder ?blecherne Rangmarke in der Schule’ einschliesst. Unter den über 100 Komposita werden etwa Underzeiche ?grössere Rosenkranzperle’, ?rzeiche ?in die Ohren von Kleinvieh geschnittenes Eigentumszeichen’ oder Wëtterzeiche ?Regenbogen’ behandelt. Viel Raum beansprucht das ausserordentlich schillernde Wort Wort- oder Warzeiche, das zunächst nur ?Merkmal, Kennzeichen’ bedeutet, dann aber auch Bedeutungen angenommen hat wie ?Gutschein’, ?Pfand’, ?Losungswort’, ?Erinnerungsdokument im Taufzettelbrauch’.

Den Abschluss der grossen Wortsippe von Zeiche bildet einerseits das bemerkenswerte Walserverb zeiche ?zeigen’, das nicht als Variante von zeige aufgefasst wird, sondern als von Zeiche ausgehende Wortbildung, und anderseits das überall vorhandene Verb zeichne mit seinen vielen Zusammensetzungen und Ableitungen wie uuszeichne, Uuszeichnig sowie Zeichnig und Veezeichnig. Mit dem alten Lehnwort Zieche f. (zu griechisch-lateinisch theca) folgt ein Wort und eine Wortgruppe mit der Bedeutung ?Überzug über eine Bettdecke, ein Kissen’, welche noch im 19. Jahrhundert in der ganzen deutschen Schweiz verbreitet waren und heute nur noch im Wallis wirklich lebendig sind (etwa in der Zusammensetzung Chisch-Ziecha «Kissenanzug»).

Das vielgestaltige Verb zööche, zööchne, zööchte, zöiche, zööke, zöökle, zöike, zöikle ?locken, verführen’ kann trotz seines mundartlichen Formenreichtums auf eine gemeinsame althochdeutsche Form z?hen zurückgeführt werden.

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Bibliographische Angaben

Reihe Titel der Reihe - Schweizerisches Idiotikon (Fasc.)
Format: 21.4 x 27.7 cm
Bindung Buch, Gebunden
ISBN 978-3-7965-3452-2
Erscheinungsdatum: 31.05.2016

Autor/in

Hans-Peter Schifferle, geb. 1954, Dr. phil., Chefredaktor. Studium der Germanistik, italienischen Literatur und Volkskunde an der Universität Zürich.

Andreas Burri, geb. 1956. Dr. phil., Studium der Dialektologie und Volkskunde der deutschen Schweiz, der deutschen Sprache und Schweizergeschichte an der Universität Bern.

Christoph Landolt, geb. 1966, Dr. phil., Studium der Vergleichenden germanischen Sprachwissenschaft, der Nordischen Philologie und der Allgemeinen Geschichte an der Universität Zürich.

Hans Bickel, geb. 1957, Prof. Dr. phil., Studium der Germanistik, Ethnologie und Volkskunde an der Universität Basel und an der Purdue University in West Lafayette/Indiana (USA).

Martin H. Graf, geb. 1975, Dr. phil., Studium der Germanistik, Allgemeinen Geschichte und Mittellateinischen Philologie an der Universität Zürich.

Claudia Schmid, geb. 1985, MA., Studium der Vergleichenden germanischen Sprachwissenschaft, Allgemeinen Geschichte und Geschichte des Mittelalters an der Universität Zürich.