Intentionalität und Subjektivität / Intentionnalité et subjectivité
Studia philosophica
Herausgegeben von Schweizerische Philosophische Gesellschaft
Bd. 75/2016 Guillaume Fréchette (Hg.)

Intentionalität und Subjektivität / Intentionnalité et subjectivité

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Kaum ein Begriff hat die philosophische Diskussion so sehr bestimmt wie der Begriff der Intentionalität, den Brentano am Ende des 19. Jahrhunderts wieder aufgegriffen hat, um mit seiner Hilfe die Psychologie als autonome philosophische Disziplin neu zu konstituieren. Der Begriff hat nicht nur geholfen, die Eigenart mentaler Akte besser zu verstehen, er diente auch vorzüglich als Waffe gegen die Naturalisierung des Geistes, die damals durch die Forschungen in der experimentalen Psychologie, der Physiologie und dem Behaviorismus genährt wurde und die heute durch die Ergebnisse der Kognitionswissenschaften erneut Aufwind bekommen hat.

Schon Brentano allerdings hat gesehen, dass Intentionalität nicht das einzige Unterscheidungsmerkmal mentaler Akte ist, sondern dass diese immer auch innerlich wahrgenommen werden und dadurch Subjektivität erlangen. Diese doppelte Charakterisierung hat Folgen für die Beschreibung aller Typen mentaler Akte, sowohl für die sensorischen wie auch die kognitiven oder emotionalen, und führt zu neuen Debatten in der Erkenntnistheorie, in der Philosophie der Gefühle und in der Ontologie – mit Auswirkungen auf weitere philosophische Themenbereiche: so etwa auf die in der Sozialphilosophie stark diskutierte Frage nach den Identifikationskriterien kollektiver Intentionalität oder die in der Anthropologie geführte Debatte darüber, ob kollektive Intentionalität als Unterscheidungsmerkmal zwischen Mensch und Tier dienen könne. Nicht zuletzt aber geht die Frage, ob und inwieweit die vor Brentano dominierenden Modelle von Subjektivität und Intentionalität im Lichte der heutigen Debatten neu zu bewerten sind, auch an die Historiker der Philosophie.

Der Band 2016 der Studia Philosophica stellt diese vergangenen und gegenwärtigen Debatten über die Beziehung von Intentionalität und Subjektivität in den Mittelpunkt. Eine nicht kleine Zahl von Philosophinnen und Philosophen, die selber an diesen Themen arbeiten, kommen in diesem Band zu Wort.

 

Inhalt | Table de matières?

Themenschwerpunkt | Thème:

Intentionalität und Subjektivität
Intentionnalité et subjectivité

Einleitung | Introduction

Phänomenale und affektive Intentionalität
Intentionalité phénoménale et affective

Christian Barth: Descartes on Intentionality, Conscientia, and Phenomenal Consciousness

Guillaume Fréchette: Brentano on Sensory Intentionality

Laurent Cesalli: Anton Marty on Emotions, their Object and Content

Federico Lauria: ‘L’œil du devoir-être’ – La conception déontique de l’intentionnalité du désir et les modes intentionnels

Intentionalität in Wahrnehmung und Handlung
L’intentionnalité dans la perception et l’action

Gianfranco Soldati: Intentionale Inexistenz und Bewusstsein

Hamid Taieb: Husserl et P. F. Strawson sur les qualités secondes

Javier Kalhat: Peacocke on Depiction and the Visual Field

Frank Esken: Der schwierige Begriff der Handlungsintentionalität?

Frühe Ansätze und Kontroversen zwischen Philosophie und Psychologie
Anticipations et polémiques entre philosophie et psychologie

Carole Maigné: «Penser le Moi avec acuité signifie réfuter l’idéalisme» (Herbart)

David Romand: La théorie herbartienne de la représentation (Vorstellung): une dialectique de l'acte et du contenu

Janette Friedrich: Philosophie mit oder ohne Psychologie?

Freier Beitrag | Article libre

Rafael Ferber: Was ist eine gute Weltanschauung?

Bevorstehende Veranstaltungen

Bibliographische Angaben

Reihe Titel der Reihe - Studia philosophica
Seitenanzahl 260 arabisch
Format: 23.5 x 16 cm
Bindung Buch, Broschiert
ISBN 978-3-7965-3554-3
Erscheinungsdatum: 15.03.2017

Autor/in

Die Redaktion

Anton Hügli, geb. 1939, studierte Philosophie, Psychologie, Germanistik/Nordistik und Mathematik in Basel und Kopenhagen. Er war bis 2005 Professor für Philosophie und Pädagogik an der Universität Basel.

Janette Friedrich, geb. 1961, studierte Philosophie in Rostow am Don (Russland) und doktorierte an der Humboldt Universität in Berlin. Nach mehrjährigen Forschungsaufenthalten in Paris ist sie gegenwärtig Maître d’enseignement et de recherche an der Universität Genf.

Der Gastherausgeber

Guillaume Fréchette, geb. 1976, studierte Philosophie an der Universität Québec in Montreal und promovierte an der Universität Hamburg. Er ist derzeit Projektleiter am Fachbereich Philosophie (KGW) der Universität Salzburg.