Perzeptives Sprechen
Robert H. Gassmann

Perzeptives Sprechen

Wie der Mensch dazu kam, Dinge nicht zu sehen

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Dieser Artikel erscheint am 11. Mai 2026 ca. 92.00 CHF Erscheint: 11.05.2026
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Wiedererkennen ist für Systeme des Perzipierens die primäre Funktion. Dazu dienen neurale Muster, die überdies erinnerbare Erfahrungen ordnen und im Hinblick auf aktuell verlangte, angemessene Reaktionen erschliessen. Vor etwa 2,5 Millionen Jahren entwickelte sich, wohl kongenial mit dem Produzieren von Werkzeugen, bei Homininen ein kategorial neuer Modus: sprechbewusstes Perzipieren. Der Modus ‹sprechbewusst› zeitigt grosse Konsequenzen: Er dissoziiert die sensobasiert-holistischen Perzepte der Realität in analytische Narrative; er erlaubt, unabhängig von aktuellen Perzepten zu erinnern, zu planen und sich nicht nur «Dinge» vorzustellen, sondern neu auch «Sachverhalte» zu denken; er konstituiert soziale «Welten»; er ermöglicht die Teilhabe an Erfahrungen und Erinnerungen anderer, was zu einem kollektiven Schatz an Wissen führt. Eine wichtige Einsicht: Verbalisiert-bewusstes Perzipieren alias perzeptives Sprechen entwickelte sich nicht, um ein Bedürfnis nach Kommunikation zu befriedigen, sondern primär, um Lebewesen in ihren Bemühungen zu überleben zu unterstützen.

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Bibliographische Angaben

Seitenanzahl 688 arabisch
Abbildungen 6 s/w, 7 farbig
Bindung Buch, Gebunden
ISBN 978-3-7965-5468-1
Erscheinungsdatum 11.05.2026

Autor/in

Robert H. Gassmann ist emeritierter Ordinarius für Sinologie der Universität von Zürich. Er verfasste Studien zur antikchinesischen Sprache (Grundstrukturen der antikchinesischen Syntax, 1997) und Kultur (Menzius, 2016); aktuell geht er philosophischen (Sinn und Wert, 2017) und anthropologischen Grundfragen nach.