Sinnstiftung durch Geschichte?
Schwabe Philosophica
Herausgegeben von Helmut Holzhey, Wolfgang Rother
Bd. VIII Andreas Urs Sommer

Sinnstiftung durch Geschichte?

Zur Entstehung spekulativ-universalistischer Geschichtsphilosophie zwischen Bayle und Kant

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Geschichtsphilosophie als Versuch, Geschichte als Einheit mit klarer Verlaufsrichtung philosophisch zu deuten, ist eine recht junge Erfindung. Dennoch hat Geschichtsphilosophie rasch eine kulturelle Deutungsmacht gewonnen, die weit über philosophische Debatten hinausweist. Geschichtsphilosophische Stichworte wie «Fortschritt» und «Entwicklung» sind längst zu (kritisch hinterfragten) Versatzstücken der Populärkultur geworden.
Umso mehr überrascht, wie wenig bislang die Entstehungsgeschichte von Geschichtsphilosophie von etwa 1700 bis 1780 erforscht worden ist. Diesem Missstand will Sommers Buch abhelfen, indem es eine Reihe von Repräsentanten aufklärerischen Philosophierens nach ihrem spezifischen Beitrag zum Entstehungs- und Etablierungsprozess dieser spekulativen und universalistischen Geschichtsphilosophie befragt. Dabei reicht das Spektrum der in Einzelstudien untersuchten Autoren von Bayle und Bolingbroke über Vico, Buffon, Lichtenberg, Turgot, Iselin, Mercier bis zu Lessing und Kant. Geschichtsphilosophie erweist sich dabei als ein gesamteuropäisches und disziplinenübergreifendes Projekt.
Parallel zur Entstehung der Geschichtsphilosophie werden zeitgenössische theologische Bemühungen um Deutungsmacht über die Geschichte aus verschiedenen kulturellen und konfessionellen Milieus herangezogen. Dabei erweist sich, dass die Geschichtstheologie, als deren Säkularisat man die Geschichtsphilosophie lange betrachtet hat, nicht nur in vielfältigen Formen auftritt, sondern unter aufklärerischen Vorzeichen starke Tendenzen zur Selbstmodernisierung zeigt.
Eine Topik der Motive macht schliesslich die begriffliche Struktur der neuerfundenen spekulativ–universalistischen Geschichtsphilosophie transparent. Dabei wird anhand eines nochmals erweiterten Textcorpus beispielsweise die Ablösung der exempla-Historiographie ebenso behandelt wie das Wechselspiel von Vorsehung, Moralisierung und Vervollkommnung, oder der Aspekt der Metaphysikkritik wird im Zusammenhang mit dem persistenten Theodizee–Interesse der Übelbewältigung thematisiert. Geschichtsphilosophie wird als Experimentalphilosophie auf neue Art verstehbar.

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Bibliographische Angaben

Seitenanzahl 582 arabisch
Masse: 16 x 22.5 cm
Bindung Buch, Gebunden
ISBN 978-3-7965-2214-7
Erscheinungsdatum: 14.07.2006

Autor/in

Der Autor:

Andreas Urs Sommer, geboren 1972 in Zofingen, studierte Philosophie, Kirchen- und Dogmengeschichte und Deutsche Literaturwissenschaft in Basel, Göttingen und Freiburg i. Br. Nach seiner Promotion 1998 war er als Visiting Research Fellow an der Princeton University (USA) und als «Fortgeschrittenenstipendiat» des Schweizerischen Nationalfonds an der Herzog August Bibliothek in Wolfenbüttel tätig und lehrt heute Philosophie an der Universität Greifswald. 2001 war er Visiting Fellow am Institute of Germanic Studies der University of London.